Sony steigt mit den LinkBuds Clip erstmals in die Kategorie der Clip-Ohrhörer ein: ein 230 Dollar teures Paar offener Ohrhörer, das auf Komfort, räumliches Hören und sicheren Sitz statt auf Abschottung setzt. Sony vermarktet sie als ganztägig tragbare Ohrhörer mit ausgewogenem Klang und KI-gestützter Stimmerkennung und bietet sie in vier Farben an: Black, Lavender, Greige und Green.
Design und Komfort
Statt des dünnen, drahtartigen Stegs der Konkurrenz setzen die LinkBuds Clip auf einen flachen, bandförmigen Steg mit geometrischem Design. Der steife Steg klemmt sich an beide Seiten der Ohrmuschel, um die Ohrhörer zu fixieren, und Sony legt optionale Fitting Cushions aus Gummi bei, die die Ohrhörer für Nutzer mit kleineren Ohren verankern.
Es gibt keine physischen Tasten; sämtliche Steuerung läuft über Tippgesten auf den Ohrhörern. Das Ladecase sieht aus wie eine kleine Ringschachtel mit geschickt verstecktem Scharnier, was das Öffnen allerdings etwas umständlich machen kann. Die Verarbeitungsqualität ist solide, doch die glänzende Oberfläche des Cases dürfte mit der Zeit Fingerabdrücke und Kratzer sammeln. Die Ohrhörer tragen eine IPX4-Zertifizierung gegen Regen und Schweiß, das Case hingegen besitzt keinen solchen Schutz.
Der Komfort erwies sich als angemessen, aber nicht wirklich ganztagstauglich: Nach ein paar Stunden begannen die Ohrhörer zu drücken. Da sie auf dem äußeren Ohr sitzen, variieren Sitz und Komfort erheblich zwischen den Nutzern, und die Fitting Cushions machten bei kleineren Ohren einen dramatischen Unterschied.
Software und Funktionen
Die LinkBuds Clip funktionieren mit Sonys Sound-Connect-App unter Android und iOS, bieten aber einen recht spärlichen Funktionsumfang. Zu den Optionen gehören ein 10-Band-Equalizer mit Presets, mehrere Hörmodi, ein Schalter für die Bluetooth-Qualität, Sonys DSEE-Upscaling, eine adaptive Lautstärkeregelung und eine Quick-Access-Verknüpfung. Die Hörmodi umfassen Voice Boost, eine Reduzierung des Schallaustritts und einen Background-Music-Effekt, der Raumakustik simuliert – wobei die Aktivierung eines dieser Modi den EQ deaktiviert.
Tippgesten lassen sich nur über vorgegebene Bündel zuweisen statt frei belegen, und die Lautstärkeregelung per fortlaufendem Tippen kann nicht geändert werden. Bemerkenswert ist, dass die Ohrhörer keine Trageerkennung besitzen, also beim Herausnehmen nicht automatisch pausieren.
Klang und Mikrofon
Jeder Ohrhörer beherbergt einen einzelnen 10-mm-Treiber, wobei die Codec-Unterstützung auf SBC und AAC beschränkt ist. Wie bei den meisten offenen Designs ist der Bass schwach: Frequenzen unter 100 Hz haben wenig Energie, und alles unter 60 Hz ist unhörbar. Sony hält den Frequenzgang über den gesamten Lautstärkebereich konstant, statt die Tiefen bei niedrigen Pegeln anzuheben. Die Abstimmung wirkt hell und luftig, mit betonten oberen Mitten, die etwas näselnd klingen können, und Höhen, die am oberen Ende abfallen.
Das offene Design begünstigt die räumliche Abbildung und die Klangbühne und sorgt für eine geräumigere Darstellung. Die Kompromisse sind ein begrenzt nutzbarer Lautstärkebereich, bevor Verzerrungen und Schallaustritt auftreten, sowie ein uneinheitlicher Sitz, der jedes Ohr zwischen den Sitzungen etwas anders klingen lassen kann.
Das Mikrofon ist der Star. Dank zweier Mikrofone und eines Knochenschall-Sensors mit maschinell lernender Rauschunterdrückung ist die Sprachqualität in ruhigen Umgebungen beeindruckend und bleibt auch bei Lärm klar, was die Ohrhörer zu einer starken Wahl für lange Telefonate macht.
Geräuschverhalten, Akku und Preis-Leistung
Von Haus aus gibt es weder aktive noch passive Geräuschunterdrückung, da diese Ohrhörer Umgebungsgeräusche bewusst durchlassen sollen. Diese Aufmerksamkeit ist für Radfahrer bei windigen Bedingungen nützlich, wo Transparenzmodi an ihre Grenzen stoßen, doch für die meisten Hörer bieten In-Ear-Ohrhörer mit ANC und Transparenzmodus wohl mehr Flexibilität, ohne Audio nach außen dringen zu lassen.
Die Akkulaufzeit lag bei 8 Stunden und 8 Minuten gegenüber Sonys Angabe von 9 Stunden, und eine kurze 3-minütige Ladung lieferte rund 1 Stunde und 22 Minuten Wiedergabe. Das Fehlen von kabellosem Laden ist bei diesem Preis eine auffällige Lücke. Die Latenz ist akzeptabel, wobei der Game-Modus sie auf kompatiblen Geräten auf ein nahezu unmerkliches Niveau senkt.
Insgesamt sind die LinkBuds Clip ein eigenständiger und kompetenter erster Versuch in diesem Format, mit klassenführenden Mikrofonen und auffälligem Design, doch die üblichen Einschränkungen offener Ohrhörer und fehlende Annehmlichkeiten dämpfen den Reiz.




